Der junge Verkehrsrowdy zerstörte das Leben von Frau N.

Ein lauter Knall riss Frau N. aus ihren Gedanken. Sie wurde nach vorne geschleudert, dann nach hinten. Ein paar wenige Sekunden nur, die ihr Leben völlig veränderten. Sie wurde schwer verletzt, verlor ihr Gedächtnis und wurde über Jahre zum Pflegefall. „Ich hatte damals mit Anfang dreißig eine Arbeitsstelle, eine Wohnung und einen Freund“, erzählt sie. Sie verlor alles. Das geringste war der Totalschaden am Auto.

Ein 18-jähriger Fahranfänger war an jenem Tag zur Mittagszeit mit 80 Kilometern in der Stunde mit einem PS-starken BMW auf den stehenden Kleinwagen von Frau N. geprallt. Dem jungen Mann war bei dem Unfall so gut wie nichts passiert. Die Stelle, an der der Unfall passierte, liegt auf einer kleinen Anhöhe. Dort ist eine Schule und nach dem Unterrichtsende um die Mittagszeit warteten die Schulbusse gegenüber. Kinder überquerten die Straße. Mit einem Verkehrsschild „Achtung Kinder“ wurde darauf hingewiesen, dass sich hier Schulkinder aufhalten. Außerdem galt eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Frau N. schützte die Kinder

Frau N. kannte die Strecke. Sie war an diesem Tag nach der Arbeit auf dem Heimweg und blieb wegen der Schüler, die zum Bus rannten, mit ihrem Wagen stehen. „Ich hielt das Lenkrad fest, saß ganz ruhig da und hing meinen Gedanken nach“, erinnert sie sich. Der junge Mann raste mit Vollgas den kleinen Hügel hinauf – und wäre der Wagen von Frau N. nicht dagestanden, wären die Schulkinder die Opfer gewesen. Somit war sie deren Schutzschild.

Noch heute meint Frau N., sich dafür rechtfertigen zu müssen, dass sie angehalten hatte und dass die Folgen für sie so gravierend sind: „Die Nackenstützen in meinem Auto waren genau richtig eingestellt“, sagt sie. Das wurde von einem Gutachter bestätigt. Vor Gericht habe in der ersten Verhandlung der Verteidiger des jungen Mannes versucht, ihr die Schuld für den Unfall in die Schuhe zu schieben, weil sie angehalten hatte, berichtet sie und ist darüber heute noch empört, 30 Jahre nach dem Unfall.

Lange Klinikaufenthalte

Sie wurde durch den Aufprall so schwer verletzt, dass sie nicht mehr gehen konnte, dass sie nicht mehr sprechen konnte und keine Tasse mehr halten konnte. „Meine Familie hat mir damals sehr geholfen. Die haben mich so genommen, wie ich war“, erzählt sie. In einer Klinik am Bodensee lernte sie wieder, sich zu bewegen und zu sprechen. Mehrfach war sie für einen Monat dort stationär untergebracht und dann wieder bei ihrer Familie zuhause. Dort übte sie weiter, was sie in der Klinik gelernt hatte. Heute kann sie sich mit Einschränkungen wieder bewegen.

Die Wohnung von Frau N. wurde wegen ihrer gesundheitlichen Situation damals aufgelöst. „Von meinem Hausrat wurde vieles verschenkt“, erzählt sie. Bei der ersten Gerichtsverhandlung wurde der junge Mann freigesprochen, und er durfte sofort wieder Auto fahren, berichtet Frau N. Nach siebeneinhalb Jahren, bei der zweiten Gerichtsverhandlung, wurde ihr ein Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe zugesprochen. Von dem hat sie jahrelang gelebt, denn sie wurde wegen der Unfallfolgen in Frührente geschickt.

Leben aus Kartons

Als das Schmerzensgeld zur Neige ging, wurde ihr die Wohnung, die sie nach dem Aufenthalt bei ihrer Familie bezogen hatte, wegen Mietrückständen gekündigt. Sie zog um in eine billige Kellerwohnung. Dort hauste sie zwischen Kartons, dort kam sie nicht zur Ruhe wegen der randalierenden Nachbarschaft, und es gab keine Küche. Lebensmittel und Geschirr stapelten sich im Badezimmer. Die Heizung war schlecht, und im Winter fror sie in der kleinen Einzimmerwohnung. Sie hat während dieser Zeit zuhause nie eine warme Mahlzeit gehabt.

Die Frau, die einst ein geordnetes Leben geführt hatte, war an ihrem Tiefpunkt angelangt. Über zehn Jahre lebte sie so. „Ich habe alles versucht, eine andere Wohnung zu finden, ohne Erfolg“. Frau N., die sehr spirituell und gläubig ist, ist seit Langem in der Kirchengemeinde an ihrem Wohnort ehrenamtlich engagiert: „Durch die Kirche bin ich langsam wieder ins Leben zurückgekehrt“, sagt sie.

Pfarrer fand die Wohnung

Noch immer ist Frau N., die jetzt Anfang 60 ist, in psychologischer Behandlung. Auch Physiotherapie benötigt sie weiterhin. Über den Pfarrer hat sie jetzt eine bezahlbare kleine Wohnung gefunden. Beim Renovieren und beim Umzug helfen ihr zwei Männer aus der Flüchtlingsunterkunft am Ort. Für den Umzug benötigt sie 350 Euro. Frau N. lebt von ihrer Erwerbsminderungsrente und Wohngeld. Das reicht zum Leben, aber die Umzugskosten kann sie nicht bezahlen. Sie benötigt dafür eine Spende von „Hilfe für den Nachbarn.“

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