Wie oft ist das zu hören: die Mär vom selbst verschuldeten Elend. Von der Faulheit, der Planlosigkeit, der angeblich selbst gewählten Armut. Ja, es gibt sie, die Leichtfertigen, die Lebensuntüchtigen, die Drückeberger. Doch die Wirklichkeit ist oftmals eine andere. Sie ist brutal und gnadenlos, wenn man es am wenigsten erwartet, und sie reißt Menschen in einen Abgrund, aus dem sie sich ohne fremde Hilfe kaum befreien können.
Der Zufall stellt das Leben auf den Kopf
Reden wir also nicht von Schuld, sondern von Schicksal. Vom bösen Zufall, der das Leben von heute auf morgen auf den Kopf stellt. Sybille Neth kennt solche Schicksale aus der Nähe. Sie ist Autorin der Stuttgarter Zeitung, zuständig unter anderem für die Berichterstattung über die StZ-Benefizaktion „Hilfe für den Nachbarn“. Und immer vor Weihnachten beschreibt sie seit vielen Jahren tagtäglich solche Fälle. Da ist die 83-Jährige, die ihren Mann einst tot im Gartenhäusle fand und jüngst auch noch ihren einzigen Sohn verloren hat. Ihre Rente reicht nicht für das Nötigste. Da ist die junge Frau: geschlagen, geflohen ins Frauenhaus. Sie steht vor den Trümmern ihrer eigenen Geschichte, weil sie an den falschen Mann geraten ist. Nun kämpft sie um eine bessere Zukunft, benötigt jedoch Anschubhilfe.
Oder die Frau, die sich mühsam durch den Tag schleppt, chronisch erschöpft, die Kraft dahin. Eine unsichtbare Krankheit hat sie aus der Arbeit gerissen, hat sie isoliert. Ihr Bad muss behindertengerecht umgebaut werden, doch der Zuschuss der Krankenkasse reicht nicht aus. Und dann die Fotografin: Ihr Geschäft? Corona hat es liquidiert. Ein Virus, das die Welt lahmlegte – und ihre berufliche Existenz gleich mit. Schulden sind geblieben. Und zu allem Überfluss ist ihr Mann von Long Covid gebeutelt. Eine doppelte Geißel, die an die Substanz geht.
Diese Menschen sind alle unverschuldet in Not geraten. Und ihre Geschichten sind ein Schlag ins Gesicht all jener, die Armut reflexartig als Versagen abstempeln. Sie sind Opfer von Gewalt, von Krankheit, von globalen Krisen – von Dingen, die außerhalb ihrer Kontrolle lagen. Und allesamt sind sie durchs Raster gefallen; die staatliche Unterstützung und Zuschüsse der Krankenkassen greifen in solchen Fällen nicht selten zu kurz.
Stunde der Menschlichkeit
Und so ist es gut, dass in dieser Stadt und dieser Region dank Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Stunde der Menschlichkeit schlägt. In diesem Sinne ist die StZ-Aktion „Hilfe für den Nachbarn“ kein Almosen, sondern ein Akt der Solidarität, ein Hoffnungsschimmer für die Bedürftigen, die selbst nicht weiter wissen. Jeder Euro zählt bei „Hilfe für den Nachbarn“ und deshalb sind wir vom Vorstand der StZ-Aktion froh, dass sich seit Beginn der diesjährigen Kampagne vor zwei Wochen die Spendenkasse füllt. Aber noch ist es nicht genug. Lassen Sie uns nicht wegschauen, lassen sie uns zeigen, dass Menschlichkeit nicht nur ein Wort ist, sondern eine Tat. Danke schon jetzt für Ihre Unterstützung, die per Online-Spende oder durch Überweisung möglich ist. Und Ihnen eine schöne, besinnliche Vorweihnachtszeit.
Jede Spende ist willkommen
Spenden Liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie helfen wollen, können Sie online spenden unter http://www.stz-hilfe.de/ oder mit einer Überweisung auf das Konto: IBAN: DE53 6005 0101 0002 2262 22, Baden-Württembergische Bank Bic/Swift: SOLADEST600Bitte vermerken Sie das Kennwort „Hilfe für den Nachbarn“. Weitere Informationen zur Spendenaktion finden Sie unter www.stuttgarter-zeitung.de/stz-hilfe Die StZ dankt allen Spendern!
Sachspenden Wir können leider keine Sachspenden entgegennehmen. Bitte wenden Sie sich an die Sozialkaufhäuser oder an den Verschenkmarkt der Stadt Stuttgart.
